INKA
Stadtmagazin für Karlsruhe
Zehn
Jahre zeitgenössischer Tanz
Artikel vom 01. Juni
2009
Nachdem der Gemeinderat eben zusätzliche Mittel für das jährliche
Tanzfestival des Kulturvereins Tempel und der Tanztribüne bewilligte, scheint
ein kleines Zeichen gesetzt.
Um den zeitgenössischen Tanz in Karlsruhe aus seinem Mauerblümchen-Dasein zu holen, dessen Fahnen hier nahezu ausschließlich von der Tanztribüne, Gabriela Lang und eben Patricia Wolf hochgehalten werden.
Letztere kehrte vor über zehn Jahren aus New York zurück und kann nun mit zahlreichen Gästen das zehnjährige Jubiläum von Patricia Wolf & Dancers feiern. Die Tänzerin und Choreografin präsentiert dabei ein abwechslungsreiches Programm – mit Choreografien aus dem neuesten „Opera-Dance-Project“ und mit Highlights aus dem Repertoire der Tanzkompanie und Beiträgen der Gastchoreografen.
Mit dabei sind Sabine Karb, Katja Böhm, Michael Schmieder, Franziska Unseld aus München, Ariane Brandt, Simone Durina-Sasdi, Michalis Toutountsidis, Daniela Walther aus Stuttgart sowie Heike Kornhas, Mascha Weiner, Katja Heil vom Studio Tanzimpuls und Margret Wolf von der Tanztribüne.

Do, 4./Fr, 5.6., 20.30 Uhr,
Tollhaus, Karlsruhe
www.tollhaus.de
www.tanz-art-ka.de
Klappe Auf
Das Kulturmagazin der Region / Juni Ausgabe
P.W.Dancers & Friends
Tanzkompanie von Patricia Wolf
„New York war für
Tanz ein Paradies“, sagt Patricia Wolf - und zog der Weltstadt doch das
beschauliche Karlsruhe vor. Nach vier Jahren New Yorker Tempo und Geschäftigkeit
habe sie die hiesige Gemütlichkeit und Lebensqualität so sehr genossen,
dass sie beschloss wieder nach Deutschland zu kommen. „Ich brauche die
Natur um mich herum, die fehlte mir in New York“, erzählt die Tänzerin,
die damals eigentlich nur für einige Wochen an einem Kunstprojekt in der
Orgelfabrik mitwirken wollte. Seit zehn Jahren bereichert die von ihr gegründete
Tanzkompanie P.W.Dancers & Friends die Stadt mittlerweile jährlich
mit einem abendfüllenden Programm und kooperiert in zahlreichen Projekten
mit Kunstschaffenden anderer Medien.
„Ich wollte immer tanzen“, sagt die in San Francisco Geborene, die
als Achtjährige mit den Eltern aus den USA in deren deutsche Heimat zurückkehrte
und beide Staatsangehörigkeiten besitzt. Nachdem sie als Kind bereits Unterricht
in klassischem Ballett und tänzerischer Gymnastik hatte, entschied sie
sich nach dem Abitur für ein Sportstudium mit dem Schwerpunkt Tanz - in
Karlsruhe, und setzte ihre Ausbildung in zeitgenössischem Tanz am Dance
Center Iwanson in München fort. Dort engagierte sie der amerikanische Choreograph
Randy Warshaw nach einem Vortanzen, „das ich beinahe verlassen hätte,
um meinen Hund auszuführen“, wie sie lachend erzählt. Sie wirkte
in zahlreichen Produktionen unter anderem in der Kompanie der Merce-Cunningham-Solistin
Susan Quinn mit, tanzte, choreografierte und unterrichtete in München,
Stockholm und New York, befasste sich mit verschiedenen Techniken des Modern
Dance.
In Karlsruhe fand Patricia Wolf „viele Studios und richtig tolle Truppen“
vor, die aber „hauptsächlich Streetdance“ machen. Sie selbst
schätzt den „eher lyrischen Stil“ des Modern Dance, „bei
dem man im Unterschied zum klassischen Ballett mit dem Schwung arbeitet, er
verleiht eine andere Dynamik, man kommt in einen Flow von einer Bewegung in
die nächste, das liegt mir“.
Zu Patricia Wolfs eigener Kompanie gehören neben Tänzerinnen aus Karlsruhe
Kolleginnen aus Mannheim, Stuttgart und der Pfalz, aber auch aus München.
Die Vielfalt, die sich dieser Zusammenarbeit verdankt, präsentiert sich
im „Jubiläumsprogramm mit Special Guests“ im Karlsruher Tollhaus.
Beide Abende bestehen aus drei Teilen: in einem solo und in Gruppen getanzten
„Repertoire-Medley“ gibt es Einblick in die Produktionen der vergangenen
zehn Jahre, zudem zeigen frühere Mitwirkende der P.W.Dancers eigene Stücke,
und es ist das von Patricia Wolf gemeinsam mit der in München tätigen
Sabine Karb choreografierte „Opera Dance Project“ zu sehen. Ausgehend
von Puccinis „Madama Butterfly“ entwickelt Patricia Wolf Stimmungsbilder,
die dem Betrachter Freiraum zum Assoziieren geben, „die Opernhandlung
ist nicht eins zu eins umgesetzt, mich interessieren die Abstraktion und die
Wirkung der menschlichen Stimme, die noch mehr als Instrumentalmusik tief in
die Seele dringt“. afr
> Do 4., und Fr 5.6., Kulturzentrum Tollhaus, Schlachthausstraße 1, Karlsruhe, jeweils 20.30 Uhr



